Unter Tannowitz [Dolní Dunajovice] / Dr. Karl Renner

Die Entwicklung des Ortsnamens...
1245 De Donawicz, 1276 bis Anfang 14. Jh. Dunayowicz, 1330 Thanowicz, 1414 Danawicz, 1538 Dunajovicz, 1850 Unter Tannowitz / Dolní Dunajovice.

Unter Tannowitz ist eine Gemeinde in Südmähren, Kreis Lundenburg [Okres Břeclav], 7 km nordwestlich von Nikolsburg [Mikulov] nahe der österreichischen Grenze. 4 km nördlich befinden sich die Thaya-Stauseen von Neumühl [Nové Mlýny]. Der Ort wurde als Längsangerdorf angelegt.

1245 wird Unter Tannowitz erstmals auf einer Urkunde des Klosters Oslawan genannt, auf der ein "Marquard de Donawicz" als Zeuge aufscheint.

Bei der Volkszählung 1880 zählte man 2556 Deutsche, 10 Tschechen und 2 Bürger aus anderen Ländern. 1930 waren es 2676 Deutsche, 65 Tschechen und 37 Bewohner aus anderen Ländern. Mit dem Einmarsch der Roten Armee am 23. April 1945 kam es zur Vertreibung der deutschen Bevölkerung. Ende 1946 gab es nur mehr tschechische Einwohner.

Sehenswürdigkeiten ...
Pfarrkirche zum hl. Ägidius
Die Pfarre wurde urkundlich 1183 erstmals erwähnt. Die Pfarrkirche bestand schon 1276, ging aber im 16. Jh. ein und wurde 1642 abermals errichtet. Das gotische Langhaus und der rechteckige Chor wurden im 17. Jh. westlich erweitert. 1764 erfolgte der Anbau einer Kapelle an den Chor. 1804 wurde das Gotteshaus weitgehendst wiederhergestellt. Die Kirche ist über 30 m lang und 9,5 m breit und besitzt außer dem Hochaltar noch vier Nebenaltäre. An der Evangelienseite den Marien- und Kreuzaltar, auf der Epistelseite den Johannes- und Rochusaltar. Der Hochaltar wurde 1804 von den Brünner Bildhauern Josef Reither und Johann Beschorner neu staffiert. Der Kreuzweg ist eine Wiener Arbeit aus dem Jahre 1781, der mehrfach renoviert wurde.

Herrenhaus auf der Herrnzeile mit Riesenkeller, Nr. 21.

Das neue Rathaus mit den beiden Schulen.

Gasthaus „Zum weißen Rössl“, Nr. 67, einst Meierhof der Herrschaft Dürnholz. Die aus dem Jahre 1605 stammende geschnitzte und mit 8 Bildern aus der griechischen Mythologie bemalte Holzdecke wurde 1912 an das Mährische Gewerbemuseum in Brünn verkauft.

Im Jahre 1925 wurde zu Ehren der 65 Gefallenen des 1. Weltkrieges ein Kriegerdenkmal nach einem Entwurf des Bildhauers Josef Obeth (*15.7.1874 Theresienfeld bei Niklasdorf, †18. September 1961 in Säckingen, Deutschland), errichtet. Der große Park ist heute ungepflegt, verwahrlost und das Denkmal verwüstet. Ein großer Park beim Sportplatz, der Teuffenbach-Park und kleinere Anlagen verschönerten den Ort.

Statue des Hl. Johannes Nepomuk an der Hauptbrücke stammt von Ignaz Lengelacher, der Christuskörper am Mittelkreuz im Friedhof von einem seiner Schüler.

Die vielen Marterln (das älteste, die „Moartasäuln“, bereits 1697 erwähnt), Bildstöcke (die „Bildsäule des hl. Markus“ ließ Mathäus Renner anlässlich der überstandenen Cholera im Jahre 1850 errichten) und zahlreiche Wegkreuze bezeugen den Wohlstand und den frommen Sinn der Tannowitzer.

Dr. Karl Renner

Wie bereits auf der Nikolsburger Seite erwähnt, kam Dr. Karl Renner, der „Vater zweier Republiken“ und 1. Bundespräsident der 2. Republik Österreich, in Unter Tannowitz auf Haus Nr. 258 am 14.12.1870 als (Zwillings-) Sohn einer Weinbauernfamilie zur Welt. Ihm seien die folgenden Zeilen gewidmet.

die Großeltern von Karl Renner...
Mathias Renner (*25.4.1794 Neusiedl [Novosedly na Moravě] †30.8.1850 Unter Tannowitz, Cholera), Landwirt und Weinhändler
∞ 25.11.1815 Elisabeth Eigner/Krebs (* 20.7.1791 Bratelsbrunn [Březí] †10.12.1862 Unter-Tannowitz)
    ? Krebs (* um 1790 Neusiedl [Novosedly na Moravě], † vor Nov 1815, Viertellehner) ∞ um 1810 Elisabeth Eigner

Kinder:
1) Anna Maria (*10.12.1815, Unter Tannowitz, † vor 1900
2) Elisabeth (*4.1.1818, Unter Tannowitz, †29.8.1855 Ober Wisternitz) ∞ Bendedikt Beigl, siehe Beigl-Kreuz, Ober Wisternitz
3) Josepha Nährvater (*8.12.1819, Unter Tannowitz †2.3.1846)
4) Johanna (*29.5.1821, Unter Tannowitz, †16.11.1861 Treskowitz)
5) Mathäus (*14.7.1823, Unter Tannowitz, † vor 1910), siehe Bildsäule des Hl. Markus, Unter-Tannowitz
6) Franz Xaver (*14.5.1825 Unter Tannowitz, † vor 1910)
7) Johann Nepomuk (*18.5.1827 Unter Tannowitz, † vor 1910)
8) Anton (*8.7.1829 Unter Tannowitz, †4.1.1830 Unter Tannowitz)
9) Rudolf (*7.1.1831 Unter Tannowitz, † vor 1920)
10) Ernst (*16.8.1833 Unter Tannowitz, † vor 1920)
11) Aloisia (*3.4.1835 Unter Tannowitz, † vor 1920)

die Eltern von Karl Renner...
Mathäus Renner (*14.7.1823, Unter Tannowitz, † vor 1910), Landwirt und Weinhändler
∞ 22.1.1850 Maria Habiger/Zecha (Witwe,  *25.11.1827 Rehsdorf [Radisov], † vor 1910)
    Johann Zecha (*4.10.1821 Altstadt [Staré Město], †5.9.1849 Unter Tannowitz) ∞ 21.1.1845 Maria Habiger

Kinder:
     aus 1. Ehe: Tochter Viktoria (*1849 Unter Tannowitz , †1866 Unter Tannowitz)
1) Josepha (*30.3.1851 Unter Tannowitz, †11.4.1851 Unter Tannowitz)
2) Maria (*28.5.1852 Unter Tannowitz, † vor 1940)
3) Mathäus (*18.2.1856 Unter Tannowitz, † vor 1940)
4) Elisabeth (*2.1.1858 Unter Tannowitz, †6.5.1866 Unter Tannowitz)
5) Johann (*4.3.1859 Unter Tannowitz, † vor 1940)
6) Anna (*26.7.1860 Unter Tannowitz, †12.9.1941 Wien)
7) Emilie (*24.3.1862 Unter Tannowitz, † vor 1950)
8) Dominik (*19.6.1863 Unter Tannowitz, † vor 1950)
9) Ignaz (*23.7.1865 Unter Tannowitz, † Aug 1936 Grusbach [Hrušovany nad Jevišovkou])
10) Alois (*29.3.1867 Unter Tannowitz, † vor 1950)
11) Viktoria (*19.4.1869 Unter Tannowitz, †20.5.1870 Unter Tannowitz)
12) Anton (*14.12.1870 Unter Tannowitz, †21.12.1870 Unter Tannowitz)
13) Karl (*14.12.1870 Unter Tannowitz, †31.12.1950 Wien)

Karl Renner
Karl Renner (*14.12.1870 Unter Tannowitz, †31.12.1950 Wien)
∞ 28.2.1897 Luise Stoicsics (* um 1870 Güssing, Burgenland, † vor 1950)

Kinder:
1) Leopoldine (*16.8.1891 , † vor 1980)

Mathäus und Maria Renner hatten bereits 11 Kinder (im „Austria-Forum“ ist von 16 Kindern die Rede), von denen 8 noch am Leben waren, als am 14. Dezember 1870 die Zwillinge Anton und Karl Matthias geboren wurden. Zwillingsbruder Anton starb 1 Woche nach der Geburt. Bereits mit 13 Jahren verließ Karl Renner sein Elternhaus um in Nikolsburg das Gymnasium zu besuchen. Der elterliche Weinbaubetrieb, der durch die Preußen-Einquartierungen im Jahre 1866 und Pfandbriefe von Nikolsburger Geldverleihern stark verschuldet war, wurde zwangsversteigert und die Eltern in einem Armenhaus untergebracht.
1883 bis 1889 Gymnasium in Nikolsburg, Matura mit Auszeichnung bestanden
1891 bis 1896 absolvierte er das Studium für Rechtswissenschaften an der Universität in Wien,
1918 bis 1920 als Staatskanzler maßgeblich am Entstehen der Ersten Republik Österreich beteiligt
                       er leitete auch die österreichische Delegation bei den Verhandlungen in Saint-Germain,
1920 bis 1934 Abgeordneter zum Nationalrat und von 1931 bis 1933 dessen erster Präsident,
1945 bis 1950 erster Bundespräsident der 2. Republik, siehe auch => Dr. Karl Renner auf Wikipedia


Kleindenkmäler in Unter-Tannowitz [Dolní Dunajovice] ... Karte     ... Bilder ... in Planung
 

Details, Quellen und Links:
Unter Tannowitz Wikipedia
 
Homepage von Dolní Dunajovice
 



Südmähren Land an der Thaya - Landsmannschaft Thaya - Kulturverband der Südmährer in Österreich - suedmaehren.at

                                            Ortskunde, Geschichte, Volkskunde, Brauchtum, Kunst mit Kulturdatenbank
„Die Bildsäule des hl. Markus in Unter-Tannowitz“ von Prof. h.c. Hans Lederer
         Hans Lederer (* 20. Dezember 1914 in Unter-Tannowitz, nach 1945 in Steinebrunn bei Drasenhofen wohnhaft).
         Der unermüdliche Heimatforscher wurde 1988 mit dem „Prof. Josef-Freising-Preis“ ausgezeichnet,
         erhielt 1998 von Bundespräsident Klestil den Ehrentitel „Professor“ und aufgrund seiner hohen Verdienste
         für die vertriebenen Südmährer im gleichen Jahr den Südmährischen Kulturpreis.
         Hans Lederer starb am 16. Februar 2007 in Steinebrunn.
 
Dr. Karl Renner Fritz Lange, sein Urururgroßvater war der 1850 bei der Choleraepidemie verstorbene Mathias Renner,
                   der Großvater von Karl Renner
 
Erika Weinzierl - „Deutsche Biographie“, ein Projekt der Bayerischen Staatsbibliothek
 
Ahnenforschung im nördlichen Weinviertel von Niederösterreich und in Nikolsburg in Südmähren“ von Gottfried Nepp

 

 

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