Grenzsteine

Die Nummerierung der Staatsgrenzzeichen rührt aus den Jahren 1920 bis 1923. Die österreichisch - tschechische Staatsgrenze ist in 11 Grenzabschnitte unterteilt, welche mit Grenzsäulen gekennzeichnet und mit den römischen Zahlen von I bis XI versehen sind. Innerhalb dieser Grenzsäulen gibt es aufsteigend nummerierte Hauptsteine, die mit der römischen Zahl des Grenzabschnitts und einer ganzstelligen Nummer versehen sind (z.B. X | 41). Zwischen den Hauptsteinen gibt es Nebensteine und, je nach Bedarf,  dazwischen wiederum Läufersteine. Nebensteine tragen die Nummern 1, 2, 3 usw. (aufsteigend nummeriert, z.B.  X. 41  4 ... X. 41  4a ... X. 41  5), Läufersteine die Zahlen 0|1, 0|2 usw. (z.B. folgen nach dem Nebenstein X. 41  2  die Läufersteine X. 41  0|1 und X. 41  0|2, danach der Nebenstein X. 41  3).

In den letzten Jahren wurde die gesamte österreichisch - tschechische Staatsgrenze mit modernen Messgeräten neu vermessen und die Daten in einem neuen Grenzurkundenwerk zusammengefasst. Die Nummerierung wird in Zukunft ab dem Hauptgrenzzeichen fortlaufend geführt.

Die weiß gestrichenen Steine ohne Nummer entlang des Thayadammes (Bernhardsthal, Erlwiesen - № 1, № 2 und № 3) sind Staatsgrenzzeichen die erst nach Inkrafttreten dieser geplanten Grenzänderung mit einer Nummer versehen und dann gültig sein werden.

... Übersicht der Grenzabschnitte und Grenzsteine
entlang der österreichisch - tschechischen Staatsgrenze (Schrattenberg - Katzelsdorf - Reintal - Bernhardsthal - Rabensburg - Hohenau) und
der
österreichisch - slowakischen Staatsgrenze (Hohenau),  ~110 kb

Grenzstein - Bildersammlung Österreich - Tschechien, Grenzabschnitt X
   
  Hauptstein X10 (Herrnbaumgarten) - Läuferstein X14 0/2 (Schrattenberg)
   
  Hauptstein X15 - Läuferstein X19 0/1 (Schrattenberg)
   
  Hauptstein X20 - Läuferstein X24 0/8 (Schrattenberg)
   
  Hauptstein X25 (Schrattenberg) - Läuferstein X29 0/8 (Katzelsdorf)
   
  Hauptstein X30 (Katzelsdorf) - Hauptstein X34 3 (Reintal)
   
  Hauptstein X35 (Reintal) - Hauptstein X39 4 (Bernhardsthal)
   
  Hauptstein X40 - Läuferstein X43 0/4 (Bernhardsthal)
   
  Österreich - Tschechien, Grenzabschnitt XI (entlang der Thaya, Flussmitte)
   
  Grenzsäule XI (Bernhardsthal) - Hauptstein XI 6 (Hohenau)
   
  Österreich - Slowakei, Grenzabschnitt I (entlang der March, Flussmitte)
   
  Grenzsäule I/1 - Hauptstein I/2 (Hohenau)

Ein großes Dankeschön Hr. Amtsrat Ewald Mayer vom ‚Bundesamt für Eich- und Vermessungswesen Abt. 12, Internationale Angelegenheiten, Staatsgrenzen’
      dem ich nicht nur das Grenzstein-Datenblatt, sondern auch sehr viele Informationen zum Verlauf unserer Staatsgrenze verdanke.

11-er Stein ...
Der „11-er Stein” ist eine österreichische Grenzsäule mit der Nummer XI. Sie befindet sich in der Nähe der Bernhardsthaler Erlwiesen, wo die Thaya für 19,4 km zum Grenzfluss zwischen Österreich und Tschechien wird.
Auf der zur Thaya schauenden Seite ist das Datum 16. VII 1920 zu lesen, der Tag an dem der Vertrag von Saint-Germain, der die Auflösung der k.u.k. Doppel-Monarchie Österreich-Ungarn und die Bedingungen für die neue Republik Österreich regelt, in Kraft trat.

das Dreiländereck Österreich - Tschechien - Slowakei ...
befindet sich im Gemeindegebiet von Hohenau beim österr. Grenzstein XI | 6 | 1, in der Tschechei beim „Soutok” - Grenzstein XI | 6 | 2 und in der Slowakei bei der Grenzsäule  I | 1 (Österreich - Slowakei), wo die Thaya in die March mündet.

Eiserner Vorhang - Stacheldraht & Wachttürme

Während für die westliche Bevölkerung Europas einfache Grenzsteine als Erkennungszeichen der Staatgrenzen genügten, wurden von der kommunistischen Regierung rund um die östlichen Länder meterhohe Stacheldraht-Zäune und Wachttürme errichtet. Den ersten „Eisernen Vorhang” gab es bereits 1920, als sich das junge Russland vom Rest Europas abzusondern begann. Er verlief weit im Osten, bis hinter Polen und den baltischen Republiken. Bereits 1945 gab es Anzeichen für einen weitern „Eisernern Vorhang”, der diesmal in der Mitte Europas die West-Ost Grenze hermetisch abschließen sollte.
Meinen Nachforschungen und diversen Literaturen zufolge, wurde 1948/49 mit dieser Abriegelung des Ostens begonnen. Bereits 1950 durfte niemand mehr ohne besondere Bewilligung die Grenzregion betreten, der „kleine Grenzverkehr” wurde eingestellt, Hauptgrenzübergänge samt Zollämtern wurden teils geschlossen, teils mit massiven Sperren geschützt, grenzüberschreitende Nebenwege wurden abgeschnitten und unpassierbar gemacht.

die Ära Hlavačka
Am 1. November 1950 wurde Ludvík Hlavačka (*1911 †2005), der „Vater” des Eisernen Vorhangs, Oberst und ein Jahr später Kommandeur der neu organisierten Grenzwache. Die Lücken zwischen den erst nur an exponierten Stellen errichteten Zäunen wurden bis 1951 geschlossen und das Netz mit jedem erfolgreichen Fluchtversuch dichter. Im April 1951 Jahres richtete man 2 spezielle Grenzzonen ein: die verbotene Zone, direkt an der Staatsgrenze gelegen und bis zu 2 km breit, und den daran anschließenden bis zu 10 km breiten Grenzstreifen. Es gab es drei Zaunreihen, die erste Reihe ein Netz aus Stacheldraht kaum 2 m hoch, die mittlere stand unter einer Spannung von 3.000 bis 6.000 Volt und die dritte zur Abwehr von Wild, dazwischen immer wieder Minenfelder. Am 1. Februar 1953 wird Hlavačka zum Generalmajor ernannt. Wegen diverser Delikte und Erpressungen gegenüber ihm unterstellten Beamtinnen wurde er 1954/55 zu einem Studium an der Militärakademie in die Sowjetunion abkommandiert.

kurze Zwischenbemerkung...
Der am 15. Mai unterzeichnete und am 27. Juli 1955 in Kraft getretene Österreichische Staatsvertrag sah eine 90-tägige Räumungsfrist für den Abzug der alliierten Truppen vor. Daraus ergab sich das Datum 25. Oktober, wo auch am späten Nachmittag - knapp vor Ablauf der Frist - die letzten britischen Soldaten Österreich verließen. Die russische Besatzung war bereits am 19. Oktober abgezogen.
Der damalige Unterrichtsminister Heinrich Drimmel verordnete nach der Unterzeichnung des Staatsvertrages (15. Mai 1955) am 25. Oktober an den Schulen mit dem Hissen der österr. Fahne den „Österreichischen Unabhängigkeitstag” (auch „Tag der Flagge” od. „Flaggentag”) zu feiern.
Weil aber am 25. Oktober noch alliierte Soldaten im Land sein durften und man erst am 26. Oktober „endgültig frei” gewesen sei, beschloss man am 11. September 1956 den 26. Oktober als „Tag der (österr.) Fahne” an den Schulen zu begehen. Begründung war nicht mehr der Abzug der alliierten Soldaten, sondern die Unterzeichnung der immerwährenden Neutralität. So feierten Schüler und Schülerinnen von 1956 bis 1964 den „Tag der Fahne”.
Am 25. Oktober 1965 erklärte man den 26. Oktober zum Nationalfeiertag, 1967 wurde der Nationalfeiertag zum arbeitsfreien Tag für alle ÖstereicherInnen.

... zurück zum Thema
Nachdem ab 1955 auf österreichischer Seite keine sowjetische Besatzungsmacht den Osten „beschützte”, begann man die Grenzen strenger zu bewachen.
Nach einem Jahr Sowjetunion wurde Hlavačka zum Stellvertreter des Innenministers, als Verantwortlicher zum Schutz der Grenzen ernannt. Allein entlang der bayrischen Grenze wurden unter ihm 60 grenznahe Dörfer dem Erdboden gleichgemacht, vermutlich „verdanken” wir ihm auch die Zerstörung des Katzelsdorfer/Feldsberger Jagdschlössls „Salettl”.
1956 sah es kurzzeitig fast so aus, als würde würde man den Eisernen Vorhang wieder wegnehmen, dabei wurden nur die Wachttürme um einige hundert Meter ins Landesinnere versetzt, um die zur Flucht geeigneten Stellen besser kontrollieren zu können. Das dadurch entstandene Gebiet zwischen Grenze und Stacheldraht war militärisches Sperrgebiet und wurde fälschlich oft als „Niemandsland” bezeichnet, was wiederholt zu peinlichen und für die Übertreter der Staatsgrenze recht folgenschweren Grenzverletzungen führte.

2. kurze Zwischenbemerkung... „der Ungarische Volksaufstand”
Mit dem Ungarischen Volksaufstand versuchten die Ungarn im Oktober 1956, sich von der sowjetischen Unterdrückung zu befreien.
Er begann am 23. Oktober 1956 mit einer Großdemonstration in Budapest und endete am 4. November 1956 durch den Einmarsch der Roten Armee.
Insgesamt flohen über 200.000 Ungarn ins westliche Ausland, mehr als 70.000 davon über die Brücke von Andau, die über den Einser-Kanal führt.

... und jetzt wieder zurück zum Thema
Nach dem Ungarn-Aufstand 1956 wurden die Grenzsperren noch sicherer und in 5 Zonen gegliedert: Auf den Stacheldraht folgten ein 1½ Meter breiter Minengürtel, danach ein etwa 5 Meter breiter, sorgfältig beackerter Streifen, auf dem sich im Falle einer Flucht die Spuren des Flüchtenden nachvollziehen ließen, dann nochmals eine 1½ Meter breite Zone, die mit Leuchtraketen verbundenen Stolperdrähten verspannt war und schließlich noch ein weiterer Stacheldrahtverhau.
Die mit einem alarmauslösenden Draht versehenen und nur von den Grenzpatrouillen befahrenen Wege entlang dem Grenzverlauf nannte man Signalká (Kolonnenweg). Nach ausländischen Protesten wurde 1965 die Stromzufuhr zum elektrischen Zaun abgestellt. Hlavačkas letztes Opfer fand man am 22. Dezember 1965 im Raum der Brigade Eger, Břetislac Funiok, einen erst 17 Jahre alten Burschen.
1970 wurde der ursprüngliche elektrische Drahtzaun durch die weiter im Landesinneren stehende Signalwand (-zaun) ersetzt, die sehr empfindlich auf jede Berührung reagierte. Straßensperren bekamen tiefere Betonfundamente, die Stahlrohrschranken hatten als Kern ein einbetoniertes Tau, ...
Der Eiserne Vorhang hatte allein an der Grenze zu Österreich eine Gesamtlänge von 453 Kilometern!

Skizze: Tschechoslowakisches Grenzabsperrungs-System      
Quelle: U.S. Army Center of Military History - Seite 200, Figure 13

 

die kleinen Schritte zum Fall des Eisernen Vorhangs ...

1980

in Polen lösen Preiserhöhungen für Fleisch am 1. Juli eine großen Streikwelle aus. In Danzig (Gdańsk) kommt es auf der Leninwerft am 14. August zum Streik, dessen direkter Anlass die Entlassung der Kranführerin Anna Walentynowicz war. Unter der Führung von Lech Wałęsa wird ein betriebliches Streikkomitee gegründet woraus sich die Gewerkschaft „Solidarność” [Solidarität] entwickelt.
1981 mit der Ausrufung des Kriegszustands in Polen in der Nacht zum 13. Dezember werden die führenden Köpfe der Gewerkschaft interniert und die Arbeit der Gewerkschaft selbst verboten. Somit konnte sie nur noch im Untergrund weiter existieren. Am 8. Oktober 1982 wird die Solidarność durch ein neues Gewerkschaftsgesetz endgültig verboten.
1985 am 11. März löst Michail Sergejewitsch Gorbatschow (* 2. März 1931 in Priwolnoje in der russischen Region Stawropol) den am Vortag verstorbenen Generalsekretärs der KPdSU Konstantin Tschernenko ab. Mit 54 Jahren wird Gorbatschow zum zweitjüngsten Generalsekretär in der Geschichte der Kommunistischen Partei gewählt. Er ist ein Vertreter einer völlig neuen Generation und führt am 27. Parteitag der KPdSU im Februar 1986 die Konzepte Glasnost (Offenheit) und Perestroika (Umstrukturierung) in die politische Arbeit ein.
1989 am 5. April wird die Solidarność wieder staatlich anerkannt;
2. Mai ... ungarische Grenzsoldaten beginnen mit dem Abbau der Wachanlagen an der Grenze zu Österreich; der 2. Weltkrieg findet endlich sein Ende!
am 27. Juni durchtrennen der ungarische Außenminister Gyula Horn zusammen mit seinem österreichischen Amtskollegen Alois Mock in einem symbolischen Akt den Stacheldraht nahe der Stadt Sopron (Ödenburg) an der alten Pressburger Landstraße zwischen Sankt Margarethen im Burgenland und Sopronkőhida (Steinambrückl) in Ungarn.
19. August ... Paneuropäisches Picknick, Friedensdemonstration an der österreichisch-ungarischen Grenze nahe der Stadt Sopron (Ödenburg). Ein Grenztor an der alten Pressburger Landstraße zwischen Sankt Margarethen im Burgenland und Sopronkőhida (Steinambrückl) in Ungarn wird symbolisch für drei Stunden geöffnet.
in der Nacht von Donnerstag auf Freitag, 9./10. November, fällt die seit dem 13. August 1961 West- und Ost-Berlin trennende „Berliner-Mauer”;
am 17. Dezember durchtrennen die Außenminister Alois Mock und Jiří Dienstbier in einem symbolischen Akt den Stacheldraht zwischen Kleinhaugsdorf und Hatě;
am 23. Dezember durchschneiden die Außenminister Hans-Dietrich Genscher und Jiří Dienstbier am Grenzübergang Waidhaus - Rozvadov den Grenzzaun  zwischen Tschechien und Deutschland.
1990 werden die letzten Reste des „Eisernen Vorhangs” beseitigt
2004 am 1. Mai wird die Tschechische Republik in die Europäische Union aufgenommen
2007 am 21. Dezember tritt das Schengener Durchführungsübereinkommen (SDÜ) tritt in Kraft, wodurch nun auch die Personenkontrollen an den Grenzen zu Österreich entfallen;

Ich danke recht herzlich für die hilfreichen Informationen und Quellen...
zum österr. Nationalfeiertag ... krone.at (26.10.2009) /Gustav Spann - Zur Geschichte des österr. Nationalfeiertages
Dr. Wolfgang Katzenschlager, Weitra
a.o. Univ. Prof. Dr. Andrea Komlosy, Institut für Wirtschafts- und Sozialgeschichte an der Universität Wien
Roman Sandgruber / Norbert Loidol - Der Eiserne Vorhang (Die Geschichte - das Ende - die Mahnung), Linz 1999
Ludĕk Navara, Vorfälle am Eisernen Vorhang, 2006
Wikipedia, Grenzbefestigungen der ČSSR im Kalten Krieg.

Details zur Entwicklung Tschechiens => siehe „Tschechische Republik

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